„Nach oben führt auch ein Weg hinab“

von April Wynter

„Wolltest du schon immer mal wissen, wie man einen ungeplanten Roadtrip durch Kanada überlebt? Und dabei zum Instagram Star wird? Eines haben die beiden Dinge jedenfalls gemeinsam: Sie sind anders als erwartet. Was mein im Rollstuhl sitzender Großvater damit zu tun hat und wie ich diesen samt Rollstuhl durch die Rocky Mountains geschoben habe, erfährst du hier.

Ich bin Maddy und das ist meine Geschichte.“

Maddy ist gar nicht glücklich darüber nach acht Jahren wieder nach Kanada zurückkehren zu müssen. Immerhin hat ihr Dad sich nie bei ihr gemeldet und jetzt soll sie die ganzen Sommerferien dort verbringen. Das klingt für sie mega ätzend. Doch dann trifft sie auf Heather, die ihr Mut macht, ihren Instagram-Kanal auszubauen. Doch dafür benötigt man gute Fotospots. Die findet man nur im Nationalpark. Kurze Zeit später befindet sich Maddy auf einem Roadtrip einer anderen Art. Zusammen mit ihrem kranken Großvater erlebt sie den Sommer ihres Lebens.

Erst einmal möchte ich anmerken, dass die Autorin selbst zu dem Buch Trigger Warnungen angebracht hat, die ich auch sehr sinnvoll finde, da Themen behandelt werden, die manch einem nicht leichtfallen. Informiere dich daher vor dem Lesen bitte über die potenziell triggernden Inhalte, wenn du weißt, dass du mit einigen Themen nicht so gut zurechtkommst.

Dieses Buch stand auf meiner Wunschliste und kurze Zeit später auch auf meinem SuB, weil ich, nachdem ich „Offline ist es nass, wenn´s regnet“ gelesen habe, Lust auf weiter Roadtrip-Geschichten hatte. Der Klappentext hat mich direkt angesprochen, weshalb „Nach oben führt auch ein Weg hinab“ bei mir einziehen musste. Und ich muss sagen, dass ich das bekommen habe, was ich mir vorgestellt habe. Am Anfang war ich allerdings noch ein wenig unsicher, ob das Buch mir das Leseerlebnis geben kann, welches ich erwarte, da ich Maddy anfangs ziemlich unsympathisch fand. Ihren Humor mochte ich jedoch, weshalb sich das einigermaßen ausgeglichen hat. Maddy ist anfangs sehr auf Aufmerksamkeit und Komplimente aus und hat dadurch für mich keine große Charaktertiefe gehabt. Angesichts dessen, dass sie von ihrer Familie immer nur als Versagerin abgestempelt wird, ist dieses Verhalten für mich erklärbar gewesen. Die Freundschaft zu ihrer besten Freundin habe ich als unangenehm empfunden, weil Maddy ständig nur neidisch war, beziehungsweise mir das Gefühl gegeben hat, ihre Freundin nur auszunutzen. Im Gegensatz dazu fand ich die Beziehung zwischen Maddy und ihrem Großvater unglaublich schön. Ich kann dazu nicht so viel verraten, weil es sonst eventuell spoilern würde. Ich mochte die Charakterentwicklung von ihr sehr, denn durch den etwas anderen Roadtrip lernt sie viele Dinge schätzen und erkennt wahre Werte. Ihr Problem, keine Duschen in der Wildnis zu finden, ignoriere ich jetzt mal. Ich würde deswegen wahrscheinlich auch jammern😅. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, denn er war humorvoll, leicht verständlich und hat ein Gefühl des Wohlfühlens bei mir generiert. Außerdem hat die Autorin in die Geschichte und die Dialoge unglaublich viele schöne Passagen eingebaut, die ich mir als Zitate markiert habe. Diese Stellen haben mich sehr berührt und mich zum Nachdenken angeregt. Solche Textstellen sind vermehrt dann aufgetreten, wenn ein wichtiges Thema behandelt wurde. Mir hat es sehr gut gefallen mit welcher Mischung aus Ernst und Humor sie kritische Themen umgesetzt hat. Soweit ich weiß, habe ich keine Themen, die mich triggern könnten, trotzdem kann ich sagen, dass diese Textstellen sehr einfühlsam geschrieben wurden. Das Ende hat mich dann doch sehr mitgenommen, was aber auch durch den an dieser Stelle emotionalen Schreibstil hervorgerufen wurde und weil ich mich nun besser mit der Protagonistin identifizieren konnte. Aus dem Buch habe ich viele Dinge mitgenommen. Unter Anderem möchte ich mehr in der Natur sein und auch in der Natur Fotos machen. Denn die Natur bringt Wunder zu Stande und meistens laufen wir daran vorbei, ohne dieses Wunder zu sehen und wertzuschätzen. Außerdem möchte ich meine Zeit intensiver nutzen und „mehr leben“, statt viel zu viel am Bildschirm zu hängen. Keine Sorge, Rezensionen kommen weiterhin ;). Neben der Geschichte, die mir sehr gut gefallen hat, ist die Gestaltung des Buches wunderschön. Das Cover ist hübsch, innen gibt es eine Karte, die Maddys Reise darstellt und im Buch gibt es QR-Codes, mithilfe derer man Hintergrundinfos zu einigen Orten bekommt, an denen sich Maddy aufhält. Die Autorin hat sehr viele Erlebnisse ihres eigenen Kanada Aufenthalts mit einfließen lassen, was ich unglaublich inspirierend finde. Ich vergebe 4 von 5 Sterne.

„Nach oben führt auch ein Weg hinab“ wurde von April Wynter geschrieben und erschien 2020 als Self-published Buch. Es hat 322 Seiten, kostet 13,90€ [D] und du findest es unter der ISBN 978-3-96698-331-0 (Taschenbuch).

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