„Das Geheimnis des Kartenmachers“

von Rainer M. Schröder

„Augsburg 1490: der 16-jährige Caspar hat ein ungewöhnliches zeichnerisches Talent und ein hervorragendes Gedächtnis. Deshalb nimmt ihn der Kartenmacher Wolkenstein in seine Dienste. Schnell begreift Caspar, dass der Meister an gefährlichen Theorien arbeitet. Die Erde soll eine Kugel sein? Diese ketzerischen Gedanken rufen die Inquisition auf den Plan und bald schwebt Caspar in tödlicher Gefahr.“

Caspar verliert durch ein Missgeschick seine Stelle als Lehrling und wird öffentlich dafür bestraft, wodurch er seine gesamte Zukunft verbaut hat. Doch zum Glück ist dem Kupferstecher Wolkenstein, das ist dessen berufliche Tarnung, dies egal und er nimmt Caspar als Lehrling auf. Doch schon bald muss dieser erkennen, dass Wolkenstein ein paar Geheimnisse hat, die lebensgefährlich sind.

Mir hat das Buch gut gefallen, da sowohl das Setting als auch die Charaktere großartig waren. Caspar lernt man zu Beginn in einer lebensgefährlichen Situation kennen, sodass man direkt einen tieferen Einblick in seine Gedanken- und Gefühlswelt bekommt. Zudem ist er ein recht ungewöhnlicher Charakter, da er sich innerhalb weniger Sekunden komplexe Bilder sehr gut merken und diese detailgetreu wiedergeben kann. Diese Fähigkeit spielt in der Geschichte eine große und auch wichtige Rolle. Die Geschichte spielt 1400 in Augsburg und beinhaltet auch sehr viel historische Ereignisse, die sehr gut recherchiert und eingebunden wurden. Unter anderem wird die Kirche und der Ablasshandel thematisiert, sowie die Inquisition. Andererseits spielen auch die Seefahrten (z.B. Entdeckung der Seewege nach Indien) und die Vorstellung des Kosmos und der Erde eine Rolle (Weltbild). Durch die geheime Tätigkeit des Meisters von Caspar wird durchgehend Spannung erzeugt. Auch weil Caspar und Klara bis zu einem gewissen Punkt der Handlung keine Ahnung davon haben, was ihr Meister in seinem Heiligtum, wie dieser es nennt, tut. Durch das Zusammentreffen verschiedener Ereignisse wird diese Grundspannung dann zu einem Höhepunkt gebracht, der sowohl gefährlich als auch actionreich ist. Mir hat es sehr gut gefallen, die Charaktere dabei zu begleiten, wie sie für ihre Träume und Visionen aber auch um ihr Überleben kämpfen. Klara ist eher ein Nebencharakter in der Geschichte, spielt aber für Caspars´ Entwicklung eine große Rolle. Anfangs wirkt sie unnahbar und scheu, was sich jedoch bald ändert. Sie wird dem Leser nähergebracht und wird dadurch auch deutlich sympathischer, weil man einfach viel mehr über sie erfährt. Das mochte ich sehr. Meister Wolkenstein ist eine sehr geheimnisvolle und düstere Person. Er wirkt undurchschaubar, was durch sein Aussehen und die Beschreibung seines Charakters hervorgerufen wird. Außerdem ist er eher wortkarg, vor allem wenn es um seine Arbeit geht. Insgesamt mochte ich jeden einzelnen Charakter, das Setting und die Stimmung, die erzeugt wurde. Ich konnte sehr gut nachempfinden, wie das Leben zu dieser Zeit in Augsburg gewesen sein muss. Ich gebe 4 von 5 Sterne.

„Das Geheimnis des Kartenmachers“ von Rainer M. Schröder erschien 2017 im Arena Verlag. Das Buch hat 432 Seiten, kostet 8,50€ [D] (TB) und du findest es unter der ISBN 978-3-401-50985-3. Ich habe es als E-Book.

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